ISBN 978-3-947291-13-7
Herausgeber: Chemnitzer Geschichtsverein e. V.
204 Seiten, farbig, Softcover, 23,5 × 16,5 × 1,5 cm, 540 g
Der vorliegende Band der Mitteilungen des Chemnitzer Geschichtsvereins (Jahrbuch) widmet sich mit seinem Obertitel „Kunst, Kultur, Wissenschaft" dem Motto „C the Unseen" von Chemnitz als Europäischer Kulturhauptstadt 2025.
Das Jahrbuch widmet sich vor allem Frauen und Männern, die in ihren Disziplinen in der öffentlichen Wahrnehmung eher in der zweiten Reihe standen. Auch werden Aspekte der Chemnitzer Kultur- und Wissenschaftsgeschichte vorgestellt, die bisher unterbelichtet waren.
Eine wichtige Figur der deutschen Wissenschaftsgeschichte war Christian Gottlob Heyne (1729–1812), dem für die frühe Entwicklung der deutschen Altertumswissenschaften allenfalls Johann Joachim Winckelmann voranzustellen ist, der jedoch in seiner Heimatstadt Chemnitz nie die Würdigung erhalten hat, die er verdient, wie Christopher Degelmann in seinem Beitrag darlegt.
Für die Wissenschaftsgeschichtsforschung haben Nachlässe wichtiger Forschender eine große Bedeutung. Vom Umgang mit solchen Nachlässen im Archiv der Technischen Universität berichtet Stephan Luther mit interessanten Beispielen. Dass Chemnitz ein wichtiger Standort des Textilmaschinenbaus war, ist allenthalben bekannt. In der DDR-Zeit wurde hier auch massiv für den Werkzeugmaschinenbau geforscht. Die Geschichte des Forschungszentrums für Werkzeugmaschinenbau und seiner Vorgängerinstitute beschreibt Manuel Schramm.
In der Wandelhalle des Chemnitzer Rathauses findet sich eine Reihe historischer Bürgermeisterporträts. Der heterogenen Entstehungs- und Präsentationsgeschichte dieser Porträts geht Kai Artinger in seinem Artikel nach.
Die Dresdner Künstlervereinigung „Brücke" wurde im Wesentlichen von in Chemnitz aufgewachsenen Männern gegründet. Hinter diesen, gewissermaßen zur „Weltkunstgeschichte" gehörigen Figuren wird eine Künstlerin wie Martha Schrag (1870–1957) leicht übersehen, der Ralf Müller einen Beitrag widmet. Ein Exkurs zu Elisabeth Ahnert erinnert außerdem an diese fast vergessene Schülerin von Schrag.
Der Sammler Carl Heumann (1886–1945), der aus einer jüdischen Familie stammte, trug vor allem in den 1920er Jahren eine qualitätvolle Grafiksammlung vor allem aus der deutschsprachigen Romantik zusammen. Er starb nach zahlreichen nationalsozialistischen Repressionen tragischerweise beim schwersten alliierten Bombenangriff auf Chemnitz beim Versuch, seine Sammlung zu retten, wie Julia Eßl schildert.
In der Oper stehen meist die Solisten-Stars im Mittelpunkt des Interesses – doch ohne Chor kommt kaum eine Oper aus. Die Geschichte des Chemnitzer Opernchores, die Petra Koziel nachzeichnet, wird so auch zu einer aufschlussreichen Geschichte des Kulturbetriebs in einer mittleren Großstadt.
Seit Jahrzehnten hat sich Frieder Jentsch um die Erforschung des Chemnitzer Porphyrtuffs aus natur- wie kulturwissenschaftlicher Perspektive verdient gemacht. In diesem Band hat er seine Erkenntnisse zusammengefasst. Oft wurde und wird dieser Naturstein, der seit dem 12. Jahrhundert verwendet wird, an historischen Bauwerken nicht erkannt. Die wichtigsten Fehlansprachen werden hier erstmals übersichtlich zusammengefasst. Die Bedeutung dieses Materials für die regionale Baugeschichte wird so deutlich.
Ebenso verdient gemacht hat sich in seinem Fall als Erforscher der Chemnitzer Musikgeschichte Werner Kaden. Er schildert in seinem Aufsatz das Wiederaufblühen des Musiklebens in der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Für diese Zeit ist Kaden nicht nur Historiker, sondern auch Zeitzeuge.
Nirgends hat es im 20. Jahrhundert so viele grundlegende politische Systemwechsel gegeben wie in Ostdeutschland. Das spiegelt sich auch im Umgang mit öffentlichen Denkmälern in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt wider, wie Wolfgang Uhlmann an zahlreichen Beispielen dokumentiert.
Uwe Fiedler beschreibt in seinem Beitrag „Forschen, Publizieren, Ausstellen" die seit 2005 in den Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum präsentierten Epochenprojekte. Diese Projekte sind im nationalen und internationalen Kontext angesiedelt und basieren auf vielfältigen Kooperationen mit Partnerinstitutionen. Sie haben sich erfolgreich bewährt und ermöglichen nicht nur innovative Forschungs- und Ausstellungsarbeit, sondern bieten der Stadt Chemnitz zugleich eine wirksame kulturpolitische Plattform mit hoher Sichtbarkeit und Ausstrahlung.