Als das Erzgebirge noch „Dunkelwald“ hieß – neue Erkenntnisse zur Frühgeschichte von Chemnitz
Prof. Dr. Karlheinz Hengst legt den zweiten Teil seiner Forschungen zur Frühgeschichte von Chemnitz und zum Westerzgebirge vor.
112 Seiten, Format: Din A4, 730g, ISBN 978-3-947291-16-8
Wie sah unsere Heimat vor mehr als tausend Jahren aus? War das Erzgebirge tatsächlich eine nahezu unbewohnte, undurchdringliche Waldlandschaft, die erst mit dem großen deutschen Landesausbau im 12. Jahrhundert erschlossen wurde? Oder gab es schon wesentlich früher Menschen, die diese Region durchquerten, hier siedelten und Verbindungen zwischen den Landschaften nördlich und südlich des Erzgebirgskammes unterhielten?
Diesen spannenden Fragen widmet sich Prof. Dr. Karlheinz Hengst in seinem neuen Buch „Zur Frühgeschichte von Chemnitz und zum Westerzgebirge von 800 bis 1200 n. Chr. – Teil 2“.
Der renommierte Sprachwissenschaftler geht dabei einen besonderen Weg: Er lässt die Namen unserer Heimat zu historischen Zeugen werden. Orts-, Flur- und Gewässernamen, deren Ursprünge oft weit über die schriftliche Überlieferung hinausreichen, bewahren sprachliche Spuren früherer Bewohner und ihrer Lebenswelt.
Mit wissenschaftlicher Akribie untersucht Hengst diese überlieferten Sprachformen und gewinnt daraus bemerkenswerte Erkenntnisse über die Besiedlung und Erschließung des Chemnitzer Raumes und des Westerzgebirges.
Seine Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass bereits seit dem ausgehenden 8. und im 9. Jahrhundert einzelne slawische Niederlassungen entlang alter Wege durch das Erzgebirge nach Böhmen bestanden haben könnten. Diese Siedlungsplätze dienten möglicherweise nicht nur der dauerhaften Anwesenheit von Menschen, sondern auch als Stationen für Reisende und Händler.
Damit entsteht ein differenzierteres Bild jener Epoche, die bislang häufig als eine Zeit weitgehender Unbesiedeltheit beschrieben wurde. Das Erzgebirge erscheint nicht mehr ausschließlich als menschenfeindlicher „Dunkelwald“, sondern als eine Landschaft, die bereits vor der planmäßigen Erschließung im 12. Jahrhundert durchquert und in Teilen genutzt wurde.
Besonders bemerkenswert ist die wissenschaftliche Methode des Autors. Während schriftliche Nachrichten und archäologische Funde für diese frühe Zeit nur begrenzt zur Verfügung stehen, erschließt Hengst mit der historischen Sprachwissenschaft eine zusätzliche Quelle. Er zeigt, wie sich aus überlieferten Namen Hinweise auf frühe Siedlungsräume, Verkehrsverbindungen und kulturelle Begegnungen zwischen slawischer und deutscher Bevölkerung gewinnen lassen.
Dabei geht der zweite Band über die Darstellung einzelner Forschungsergebnisse hinaus. Er macht die wissenschaftlichen Überlegungen und die sprachgeschichtlichen Zusammenhänge nachvollziehbar und lädt dazu ein, bisherige Vorstellungen über die Frühgeschichte unserer Region neu zu überdenken.
Das Werk verdeutlicht zugleich, dass die Geschichte von Chemnitz nicht erst mit der Klostergründung und der mittelalterlichen Stadtentwicklung beginnt. Ihre Wurzeln reichen in eine wesentlich frühere Zeit zurück, deren Spuren sich bis heute in den Namen unserer Landschaft erhalten haben.
Für den Verlag Heimatland Sachsen ist die Veröffentlichung dieses Buches ein besonderes Anliegen. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Geschichte unserer Region und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, welchen Beitrag die Sprachwissenschaft zum Verständnis unserer Heimat leisten kann.
Prof. Dr. Karlheinz Hengst verbindet in diesem Werk umfassende Fachkenntnis mit der Bereitschaft, überlieferte Auffassungen kritisch zu hinterfragen. Seine Forschungen bereichern damit nicht nur die wissenschaftliche Diskussion, sondern eröffnen auch Heimatforschern und geschichtlich interessierten Lesern neue Perspektiven.
Dieses Buch ist weit mehr als eine Untersuchung alter Ortsnamen. Es ist eine Einladung, die Geschichte unserer Heimat neu zu entdecken – und zu erkennen, dass unsere Landschaft viel mehr über ihre Vergangenheit erzählt, als wir auf den ersten Blick vermuten.
Vortrag und Vorstellung des Buches „Zur Frühgeschichte von Chemnitz und zum Westerzgebirge von 800 bis 1200 n. Chr. – Teil 2“
5. November 2026 · 18:00 Uhr
Das Tietz, Moritzstraße 20, Chemnitz – Vortragsaal
Eine Veranstaltung des Chemnitzer Geschichtsvereins