Sterne über Chemnitz
Christian Friedrich Scheithauer
und die Astronomie in Chemnitz im 19. und 20. Jahrhundert

Autorin Pfitzner, Elvira

Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz
Chemnitz 2014

ISBN 978-3-910186-90-3
64 Seiten, 29,5 x 20,5 cm, 500 g

         Der Blick zu den Sternen im 19. Jahrhundert nahm den Griff nach den Sternen 20. Jahrhundert voraus. 2005 referierte Elvira Pfitzner im Rahmen der Vortragsreihe des Chemnitzer Geschichtsvereins 1990 e. V. zur Geschichte der Astronomie in Chemnitz. Dieser Vortrag fand große Beachtung. Viele Zuhörer trugen danach den Wunsch an die Autorin heran, das Gehörte nachlesen zu können. Eine weitere Möglichkeit der Veröffentlichung, als das Manuskript im Stadtarchiv zu hinterlegen, bot sich aber nicht. Vor zwei Jahren kamen Verlag und Elvira Pfitzner zum Thema bürgerliche Bildungsinhalte im ausgehenden 19. Jahrhundert in Chemnitz ins Gespräch. Dabei erwähnte die Autorin, welche inzwischen in Rostock lebt, dass sie noch immer das Manuskript über Astronomie in Chemnitz vorliegen habe, aber sich bisher niemand zur Veröffentlichung bereitgefunden habe. Nach Durchsicht des Manuskriptes sagte unser Verlag die Herausgabe des Buches zu. Gemeinsam wurde das Manuskript für die Buchform überarbeitet und u. a. mit Bildern illustriert. Eine besondere Würdigung verdient die Autorin für ihre akribischen Archivstudien. Sie hat mehrere Jahre lang historische Dokumente ausgewertet. Dabei hat sie viele historische Persönlichkeiten der Stadtgeschichte aus Industrie, Kultur und Wissenschaft in Bezüge gesetzt, die bisher so nicht bekannt waren und unsere Sicht auf jene Entwicklungsperiode als Chemnitz zur sächsischen Industriemetropole avancierte, bereichert. Die Autorin zeichnet in dem Buch ein fast vergessenes, hoch interessantes Kapitel der Chemnitzer Bildungsgeschichte nach. Ihr Held, Christian Friedrich Scheithauer (1771-1846), gehört zu den Schlüsselpersonen des sich im frühen 19. Jahrhundert entwickelnden modernen Chemnitzer Bildungssystems. Aus armen Verhältnissen stammend, besuchte er von 1786 bis 1794 das Chemnitzer Lyzeum und war als Primaner Gehilfe des Superintendenten Merkel. Mit Abschluss des Lyzeums wurde er als Mädchenschullehrer angestellt und zog 1794 nach Chemnitz. Als Pädagoge setzte er unter Einsatz eigener finanzieller Mittel die von Merkel begonnenen Reformen und Anwendungen neuer Methoden in der Bildung fort. Er warb für bessere räumliche Lernbedingungen und forderte eine solide Ausbildung sowohl für Jungen als auch für Mädchen. Er war Mitinitiator der Gründung der Bürgerschule, des pädagogischen Vereins und zahlreicher weiterer bürgerlicher Vereine. Scheithauers große Leidenschaft gehörte neben seiner Arbeit als Pädagoge der Astronomie. Hier vollbrachte er Herausragendes, was ihm einen festen Platz in den Annalen dieser Wissenschaft sicherte. Er war Mitentdecker der Kometen von 1817 (mit Heinrich Wilhelm Olbers) und von 1818 III (mit Jean-Louis Pons und Friedrich Wilhelm Bessel). Im Jahr 1824 entdeckt Scheithauer als erster den Kometen 1824 II. Dabei war Scheithauer kein Einzelgänger sondern sehr gut mit den damaligen bekannten Astronomen seiner Zeit hervorragend vernetzt. Die Autorin bleibt aber nicht bei Scheithauer stehen, sondern befasst sich damit, wie Scheithauer insbesondere mit seiner astronomischen Tätigkeit nachfolgende Generationen inspirierte. Alle modernen Chemnitzer Bildungseinrichtungen wie die Bürgerschule, die Handelsschule, die Gewerbschule (heute Universität), die Realschule, Realgymnasium und Gymnasium und fast alle wichtigen Chemnitzer Pädagogen des 19. Jahrhunderts folgten den astronomischen Spuren, die Scheithauer gelegt hatte. Dies mündete 1893 in der Errichtung einer der ersten Schulsternwarten in Deutschland am Königlichen Gymnasium Hohe. Später nahm eine breite Öffentlichkeit - wie bereits die frühe Volkshochschulbewegung - diese astronomische Tradition auf. Die im Jahre 1929 auf dem heutigen Georgius-Agricola-Gymnasium errichtete zweite Chemnitzer Schulsternwarte war ein weiterer Höhepunkt in dieser Entwicklung.